Über die kleinen, aber feinen Unterschiede in der Schweiz
Ich wurde vorgewarnt, als ich zum Hospitieren zum ersten Mal in Basel war: manches in der Schweiz sei anders, als wir in-Deutschland-Studierten es gelernt haben. Handelsnamen von Medikamenten zum Beispiel. Vieles heißt gleich, aber es gibt Hersteller, die es nur in der Schweiz oder nur in Deutschland gibt, daher heißen manche Medikamente einfach anders. Das per se ist noch gar nicht so schlimm - da ich Handelsnamen auf Deutsch auch eher nicht so ad hoc kann und lieber mit Wirkstoffnamen arbeite, kann ich mich daran gewöhnen. Die Medikamente, mit denen ich jeden Tag jongliere, von denen weiß ich inzwischen auch die bei mir im Spital üblichen Handelsnamen. Aber sorry schon mal an alle lieben Malteser- und Feuerwehr-Menschen: sollte ich im Einsatz mal Temesta-Nasenspray haben wollen, seht es mir nach, dass ich unter internationaler Verwirrung leide. Wobei ich es durchaus schade finde, dass es den Wirkstoff hinter dem Handelsnamen "Temesta" in Deutschland nicht als Nasenspray gibt (ja - alle, die es näher wissen wollen, dürfen gerne googeln 😉)
Auch bei Blutwerten verwendete Laboreinheiten seien in der Schweiz andere, als in Deutschland, sagte man mir. Auf den ersten Blick wähnte ich mich glücklich, da in der Schweiz standardmäßig für viele Messwerte die in der Naturwissenschaft üblichen SI-Einheiten verwendet werden, also mml/l, statt mg/dl. Das hat mich deshalb sehr erfreut, da ich das aus der Uni so kenne - in Ostdeutschland macht man das nämlich auch so. Daher ist das für mich deutlich intuitiver.
Mein Glücksgefühl wurde allerdings gedämpft, als ich mich beim Hämoglobinwert (der rote Blutfarbstoff) gefragt habe, ob mein Patient gerade von innen rostet. Erwartet hatte ich Werte zwischen 7,4 und 11,3. In mmol. Im Laborbefund stand 129 und ein Pfeil nach unten, um mir anzuzeigen, der Wert sei unterhalb des referenzbereichs. Selbst in westdeutschen Einheiten, also mg/dl oder g/l umgerechnet, wo der Referenzbereich zwischen 13,5-17,8 liegt, umgerechnet, wäre dieser Wert noch weit über meiner Bauchgefühls-Referenz. Hier lohnte sich dann ein Blick auf die Einheit: in der Schweiz wird dieser nämlich üblicherweise in mg/l gemessen ... 🙈
Und auch, wenn der Wert zwar unterhalb des Normbereichs lag, hier war kein akuter Handlungsbedarf gegeben. Ein paar Tage bei einem anderen Patienten aber schon. Hier hatte ich eine Bluttransfusion, um genauer zu sein, die Verabreichung eines Erythrozytenkonzentrats verordnet und bin ganz vorbildlich, wie ich das gelernt habe, zu meinem Patienten gegangen, um vor der Bluttransfusion den BedSide-Test durchzuführen, um sicherzustellen, dass Blutprodukt und Patientenblut kompatibel sind, und dann das Blutprodukt "anzuhängen", wie man so schön sagt.
Als ich zum Patienten kam, hing der Beutel Erythrozytenkonzentrat schon und lief munter in meinen Patienten, der monitorüberwacht im Bett lag. Hätte man mich in diesem Moment an einen Überwachungsmonitor angeschlossen, hätte ich vermutlich eine hypertensive Krise und eine ventrikuläre Tachykardie gehabt. Das Durchführen des BedSide-Tests sowie das Verabreichen von Blutprodukten war in meiner Welt bis zu diesem Moment exklusiv und strengstens rein ärztliche Aufgabe und absolut und grundsätzlich nicht delegierter... in Deutschland. In der Schweiz ist es, je nach Spital, aber von der Tendenz her völlig normal, dass diese Aufgabe von der Pflege übernommen wird.

Durch die anderen "besonderen Buchstaben" sind Sonderzeichen aber teilweise woanders auf der Tastatur zu finden, wie das @. Und ganz besonders schlimm, die Taste mit * und + gibt es nicht - und damit auch nicht die, für mich schon auf Reflexebene verschaltete, Tastenkombination, um mal eben irgendwo die Anzeige auf dem Monitor groß zu machen. Also - die Tastenkombination gibt es schon, aber woanders, auf der Tastatur.
Aber da ich selten auf die Tastatur schaue beim Schreiben, passieren noch wirklich oft spannende Tippfehler. Ob ich mich da jemals dran gewöhne ...